Der Krieger

Ein schöner Tag auf Rabenfels
Liun Clar, der Magier aus Sturmkante, teleportierte mich nach Rabenfels. Das gleiche blaue Schimmern wie damals, umfasste mich, meine Sinne schwanden. Einen Augenblick später erwachte ich im Tempel von Silberstreif. Eine Erfahrung, die wohl alle Helden hier bereits durchlebten, auf die eine oder andere Art. Mit etwas Wehmut ließ ich meine bisherigen Weggefährten auf Arakas zurück, ich hoffte sie würden eines Tages nachkommen. Nun allein, erkundete ich die Stadt Silberstreif, in der Taverne „Zur Achselhöhle des Troll“ herrschte gähnende Leere, nur der Wirt war selbst sein bester Gast. Im Schloss dagegen herrschte mehr Betrieb, wenn man vom verschlafenen König einmal absieht. Der Kämmerer beauftragte mich, vor den Toren der Stadt die abtrünnigen Magier zu vertreiben, ein anderer befahl mir im Keller den Schädel des „toten Hofnarren“ zu beschaffen. Nun, ich erledigte die Aufgaben mit mehr oder minder großen Anstrengungen. Der Keller bot sich mit seinen gefährlichen Gegnern als idealer Übungsplatz, um meinen Schwerttanz zu verfeinern. Langsam jedoch mit zunehmender Übung, wurde es mir im stickigen Keller zu eng, ich wollte wieder an die frische Luft. Und ich trauerte um meine alten Weggefährten. Selten hörte ich etwas von ihnen. Ich sorgte mich um sie, wo blieben sie nur so lange? Auch wenn es Magier und Paladine waren, so vermisste ich sie trotzdem. Ich beschloss zurück nach Arakas zu gehen, um sie zu suchen.
Als ich beim Händler eine Schriftrolle kaufen wollte, bemerkte ich einen jungen Mann. Auch er war gerade dabei sich für eine Reise fertig zu machen. Neugierig und heimlich beobachtete ich ihn. Seine starken Muskeln sprengten fast seine sorgfältig gearbeitete Rüstung, in seiner großen Hand ruhte seine vortrefflich gearbeitete Axt. Wie wird sie wohl im Kampf aussehen? Mit der anderen Hand trug er seinen Schild um sich zu schützen, er gab eine eindrucksvolle Erscheinung ab. Nun ich weiß, nur große Ausdauer und viel Kraft konnten solch eine Rüstung und solch eine Axt tragen und schwingen. Ich konnte es kaum glauben, nachdem ich hier fast nur Seraphen oder Magier traf, ein Kämpfer. Etwas schüchtern sprach ich ihn an: „Ihr macht euch fertig für einen Ausflug, darf ich fragen wohin euch die Reise führt?“ „Natürlich. Ich werde zum Spinnensee gehen. Wart Ihr schon einmal dort? Es ist ein lauschiges Plätzchen.“ Der Spinnensee. Viel hatte ich schon gehört. Große Wolfsspinnen besuchten den See in großer Anzahl um ihre Nester zu bauen. Also antwortete ich ihm: „Nein, ich war noch nicht dort. Bisher trieb ich mich nur im dunklen, stickigen Schlosskeller und vor den Toren der Stadt herum. Darf ich euch zum Spinnnensee begleiten?“ „Gern“, erwiderte er. „Eine gute Schwerthand nehme ich immer gerne mit. Diese Magier sind mir mit ihrem Getöse viel zu suspekt!“ Nun der Mann teilte meine Ansichten voll und ganz, machte ihn mir auf Anhieb sympathisch. Gemeinsam zogen wir nun los zum Spinnensee, aber schon unterwegs konnte ich seine Kraft bewundern, mit der er sein Kampfbeil schwang. Er musste schon sehr kräftig sein. Endlich am Spinnensee angekommen, sah ich sie. Große Wolfspinnen lagerten am See und sponnen ihre Netze. Schnell erledigten wir sie. Zu zweit hatten sie keine Chancen. Aber immer und immer wieder kamen sie in großer Anzahl zum See geströmt. Unermüdlich schlugen wir unsere Klingen in die weichen Leiber der Spinnentiere. Viel sprachen wir nicht, Arikus und ich. Wir verstanden uns auch so. Im flackernden Licht unserer Fackeln kämpften wir die ganze Nacht hindurch. Umzingelt von diesen riesigen Wolfsspinnen, kämpften wir Rücken an Rücken gegen diese Übermacht. Unsere Fackeln spiegelten sich in den Augen der Spinnen, es war schön zuzusehen wir ihr Schein erlosch, wenn unsere Klingen ihre Schädel spalteten. Der Boden war getränkt mit ihrem schwarzen Blut. Selten hatte ich so eine Erregung im Kampf verspürt. Es war berauschend. Unser Stahl dürstete nach Blut, hier konnte er sich laben. Das ist wahrer Genuss.
Gegen Morgengrauen waren die Feinde besiegt, nichts war übriggeblieben. Nur das schwarze Blut verdunkelte die Wiese. Was wird wohl Reaper sagen, wenn er das sieht? Wir beschlossen die Insel weiterzuerkunden, gestärkt da wir nun zu zweit waren und die Erkenntnis, dass wir einander ebenbürtig sind, hatten wir keine Angst vor weiteren Gefahren. Wir zogen los, ins Gebirge. Wir wollten uns einmal Wizard’s Vale ansehen und den Händler suchen. Unterwegs trafen wir auf feixende Schrecken, doch ihr morsches Holz konnte uns nichts anhaben. Ihr schwarzes Blut spritze über unsere Rüstungen, im nu waren wir schwarz wie Raben. In abgründige Scheusalen gruben wir unsere Klingen hinein, es war herrlich. Selten hatte ich einen solchen Schwerttanz teilen können. Ein Feind nach den anderen verging im Auf und Ab unserer Hiebe. Ein Blutfest für unseren Stahl. An einem kleinen Teich wuschen wir unsere Rüstungen und Waffen vom verklebten Blut der Gegner, und schließlich fanden wir auch Wizard’s Vale. Angespornt und euphorisch, ob unserer zurückliegenden Kämpfe, hatten wir keine Angst und preschten ziemlich leichtsinnig durch den Turm. Es kam wie es kommen musste. Als wir im dritten Stockwerk von Fleischfressern angegriffen wurden, wurde unsere Lebensenergie rapide ausgesaugt. Rückzug? Was ist das? Haben wir in unserem Wortschatz nicht. Nun, als Arikus schließlich doch noch vom Juwel des Schicksals gerettet wurde, zog auch ich mich zurück. Immer dieses magische Getue, irgendwann wird es auch mein Tod sein, befürchte ich. Hier machten sich meine 15Wis bemerkbar * grins *. Auch ich machte mich nun wieder ernüchtert auf den Heimweg, zurück nach Silberstreif. Aber, es war ein schöner Tag, es gibt noch einen Kämpfer auf Rabenfels. Ich bin erfreut ihn kennengelernt zu haben, hoffentlich werden sich unsere Wege wieder kreuzen. In Silberstreif angekommen, habe ich auch die ersten meiner alten Freunde wiedergetroffen. Jetzt geht es wieder aufwärts.
Ich grüße Dich, Arikus. Auf Bald in einem neuen Schwerttanz.

(C) Kithara

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