Der Tod naht auf leisen Sohlen

..noch sitze ich hier auf der Bank vor dem Waschhaus, wie jeden Abend nach getaner Arbeit und sehe in den Sonnenuntergang. Alsbald bin ich in Gedanken versunken und mein Leben zieht an meinem inneren Auge vorbei.... ein langes Menschenleben, das in naher Zukunft zu Ende sein wird.

Es war doch erst gestern als ich an den Ufern von Arakas strandete, wo mich Pandorra fand. Sie nahm mich auf, nährte und kleidete mich und gab mir Unterkunft.Einigermassen zu Kräften gekommen, nahm ich meinen Lebenskampf in dieser mir noch fremden Welt auf.
Ich kämpfte gegen die Unbill von Althea, gegen all diese lebensbedrohenden Kreaturen und erlebte auch in meinen Gefühlen so manchen Sturm, so manche Niederlage, doch auch Glücksgefühle.

Viele meiner Weggenossen weilen nicht mehr unter uns, sind aufgebrochen in andere unbekannte Welten oder fanden den Tod. Einige wenige sind mir geblieben, neue Freundschaften wurden geschlossen und auch die große Liebe ist mir hier auf Althea begegnet.
NIcht in der Form eines edlen Recken, nein das Schicksal führte mich zu einer einfachen Hexerin, zu Pandorra.
Aus anfänglicher Fürsorge wurde Freundschaft, aus Freundschaft wurde Liebe und so nenne ich sie heute mit Stolz meine Weg-und Lebensgefährtin.

Sie hat es mit mir nicht immer leicht gehabt in all den Jahren. Nur allzu kühn sind meine Worte oft gewesen,sie sind es zum Teil auch heute noch, mein Standpunkt oftmals unerbittlich, eisern und, ja einige behaupten sogar, stur.

Ich denke dafür kann ich nichts, das hat mich das Leben und auch meine Vergangenheit gelehrt. Versucht immer gerecht zu bleiben in meinen Worten und den Taten. Die, die mich kennen wissen, das ich den Kampf gegen meinesgleichen mit der Waffe verabscheue und ablehne. Doch wehrlos war und bin ich nie gewesen. Das Wort ist und war, neben Magie und Kampf-geschick, schon immer meine schärfste Klinge.

Eines beschäftigte mich in den letzten Monaten doch sehr: der Glaube.
Welchen Weg ich wählte, nein, diese Frage hat sich für mich noch nie gestellt, denn es ist Artherk´s Weg den ich gehe, da ich mich in ihm und seinen Aussagen ein wenig mehr wiederfinde als in denen des Gottes Ogrimar.

Macht um jeden Preis oder Vorherrschaft des einen und die damit verbundene Knechtschaft es anderen lehne ich ab, wie ich eigentlich alles ablehne was versucht, seine Vormachtsstellung durch Waffengewalt zu erreichen. Artherk´s Forderung nach Macht sind deshalb unbedeutend für mich,denn ich werde ihm nicht bedingungs und widerspruchslos dienen.

Jegliche Gewalt gegen Mensch oder Seraphim erachte ich als böse - nicht der Glaube ist´s, der hier Böse von Gut unterscheidet - es liegt in jedem selbst, denn auch ein Diener Ogrimars vermag Gutes zu tun und kann dennoch seinen Glauben leben.
Wobei der Glaube mir bei jedermann egal ist - glauben kann und darf jeder das was er möchte, was zählt ist das Innere, der Kern, die Seele.

Dort wo Artherk Opfer an Menschen oder Seraphimleben fordert, dort wird mein Glaube an ihn enden.Hier beginnt mein Wille, mein eigenes Selbstverständnis, denn oberstes Gesetz war und ist für mich die Gerechtigkeit, die da sagt:

Artherk ich glaube an Dich, aber ich werde in Deinem Namen niemals einem Menschen oder Seraphim das Leben nehmen, noch werde ich Deinen Glauben je mit Waffengewalt fordern oder durchsetzen.

Ich hoffe inständig, dass meine Freunde, die neu gewonnenen, wie auch die alten, meine Einstellung und meinen Glauben für den ich in naher Zukunft sterben und wiedergeboren werde, wenn nicht verstehen, so doch hinnehmen können. Das Freundschaften nicht am Glauben zerbrechen werden oder sogar scheitern.

Dies ist mein grösster Wunsch und wenn er sich erfüllen möge, so werde ich stolzen und hoch erhobenen Hauptes dem Tod ins Angesicht blicken können, wenn er mich dereinst ereilt. Wann genau mich das Orakel ruft und Gevatter Tod an mich herantritt, das weiss ich nicht. Eines ist jedoch gewiss, sollte ich den Ruf vernehmen, so werde ich ihm folgen.

Adelais deClary
Gefährtin von Pandorra Eirene

arma, nisi ut smmoveas, ne sumpseris!
ergreife die Waffen nur, um sie zum Schweigen zu bringen

(C) Adelais deClary

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