Flucht in letzter Sekunde
Wir eilten durch die Finsterniss der Höhle, all die Fackeln die eben noch den Gang erleuchtet hatten schienen auf einmal erloschen zu sein. Im Schimmer der Lichtrune die ich auf meiner Brust trug huschten die Schatten von Damian und mir, begleitet von den kraftvollen Konturen der Wölfe vorbei. Hinter uns hörten wir einen Tumult, Befehle wurden gerufen und Pfeile ziellos in den Gang hineingeschossen. Doch plötzlich befiehl unsere Verfolger ein seltsames Schweigen nur ein leises Murmeln war noch zu hören. Noch währen ich rannte hielt ich den Atem an und plötzlich schrie ich: Runter Damian!
Wir stürzten uns auf alle viere und just in diesem Augenblick jagdte eie riesige Flammenwoge über uns hinweg. Vor uns verschwanden die Wölfe hinter einer Biegung und hinter uns wurden die ersten Fackeln unserer Verfolger sichtbar. Ich stiess einen kurzen Fluch aus und bedeutet Damian hinter mir in Deckung zu gehen, dann kniete ich nieder und begann ein leises Gebet zu murmeln:
In der Finsterniss der Nacht,
bringt mir Licht!
In die Furcht des Schattens,
bringt mir Mut!
In der Stunde des Schicksaals,
steht mir bei!
Geister des Waldes ich rufe euch an,
belebt den Ort des Grauens,
erhellt unsere Pfade im Nichts,
rettet unsere Seelen vor der Schwärze des Todes...
Unter uns begann der Boden der Höhle zu beben und in die Reihen unserer Verfolger schien Unruhe zu kommen. Ich blickte mit besorgter Miene in die Tiefe der Höhle und griff nach Damians Hand und zerrte ihn wieder in Richtung Ausgang. Was zur Hölle ist los, was passiert da hinten!, keuchte Damian während wir durch den schmalen Gang rannten. Hinter uns erschall ein Donnern und mächtige Dornenbewehrte Triebe schossen aus dem sandigen Höhlenboden und die Leiber unserer Verfolger verfingen sich darin, Fackeln und Schwerter stürzten auf den Boden und Schreie des Entsetzens drangen an unser Ohr. Vor uns lag der Ausgang der Höhle und das Licht der Morgendämmerung schien warm und hoffnungsvoll durch die steinige Öffnung zu uns herrein. Wir rannten um unser Leben, und auch wenn unsere Verfolger mit sicherheit nur unser Leben wollten, so musste ich doch eine Träne unterdrücken wenn ich an ihren grausamen Tod in den Armen der Erde denken musste. Für einen Augenblick nur traf mich ein morgentlicher Sonnenstrahl und ch spürte wie mich neue Kraft durchströmte als ein Schatten das Licht wieder verdunkelte. Ich strauchelte kurz vor der riesigen Gestalt die uns den Weitermarsch versperrte.
Halt! Im Namen des Königs seid ihr des Todes!, dröhnte die Stimme des wahrlich riesigen Seraphims, in seinen Händen hielt er ein uraltes Runenverziertes Schwert und auf seiner schwarz-goldenen Rüstung prangte das Emblem der königlichen Garde von Goldmond. Im Namen welches Königs, denkst du das du uns befehlen kannst?, fauchte ich den Riesen an. Wütend schnaubte er: Im Namen König Theodors von Goldmond, dem rechtmäßigen Herrscher der Inseln Arakas und Rabenfels. Und ihr seid verurteilt des Mordes und des Hochverrats am König und der Kirche Arth... Ein Schmerzensschrei entdrang dem Mund des Seraphim und er brach zusammen, in seinem Rücken steckte ein leuchtendes Schwert. Hinter dem Körper stand ein erschöpfter Keuchender Junger Mann. Ich sah genau hin und erkannte das es Cabal war, seine Robe war zerschlissen und sein Gesicht blutverschmiert. Er atmete schnell und heftig dann spie er kurz aus und begann zu sprechen: Gut das ich euch gefunden hab, die Wachen des Königs sind hinter euch her, sie waren auch bei der Gilde und haben jeden gefangengenommen der dem König nicht die absolute treue geschworen hat. Wir waren gerade bei einer Beratung im Silberstreifer Anwesen als sie kamen, ich hab es geradeso geschafft mich aus dem Fenster zu retten und da hab ich noch ein wenig gelauscht, sie suchten zwei Hochverräter die sich in den Bergen rumtrieben und dort die verbotenen Schlucht betreten hätten. Dann stellten sie fest das ich fehlte und ich musste fliehen, ich hab mich beim alten Steinkreis versteckt und als ihr nicht kamt hab ich euch gesucht, aber jetzt schnell wir müssen hier weg, die Wachen werden gleich hier sein. Ich nickte ihm zu, Damian begann wieder zu husten und ich musste ihn stützen.
Zweifelsohne würde er keinen langen Marsch überstehen und auch Cabal war keinesfalls in dem Zustand einen langen Fluchtweg durch die Wälder anzutreten. In diesem Augenblick wurden aus richtung der Stadt auch schon die ersten Rufe hörbar und das klappern stählerner Rüsten wurde hörbar. Die Gedanken rasten durch meinen Kopf ich überlegte fieberhaft wie wir drei den Häschern entkommen konnten, die Höhle hatte nur einen Ausgang, hinter dem kleinen Wald im Westen lag der Fluss und im Süden nur das endlose Meer. Aus dem Osten wurden das Geschrei der Wachen immer lauter. Damian und Cabal blickten mich verzweifelt an und mein Blick senkte sich schon dem Boden zu als aus der Luft ein gellender Schrei ertönte, ein weisser Pfeil raste herab und stoppte erst wenige Fuss über unseren Köpfen. Ich lächelte und rief meinen beiden Begleitern zu: Schnell, folgen wir Drakonis, er muss den Weg kennen! Wir begannen wieder zu rennen, doch nach wenigen Minuten schon sahen wir am Horizont bereits das Meer und mein Herz schlug schneller, voll von Hoffnung und Angst. Als wir den Strand erreichten, sah ich es, vor der Küste der Stadt lag ein weisses Schiff, mit strahlend weissen Segeln auf denen die Schwarze Sonne ihren ewigen Kampf gegen den schwarzen Mond ausfocht. Schnell wir müssen dahin, das ist unsere einzige Chance von hier wegzukommen. Wir sprangen in das kalte, klare Wasser des Ozeans und ich spürte das brennen des Salzes in meinen Wunden, doch es war keine Zeit dafür, mit letzter Kraft erreichten wir den rettenden Bug des Schiffes, wir kletterten an einem Seil an Bord und kaum waren wir angekommen, kam ein Wind auf und des Schiff begann sich wie von Geisterhand zu bewegen. Mit Mühe richtete ich mich auf und sah in Richtung des Landes wo sich die Wachen versammelten und uns verzweifelt einen Hagel von Pfeilen nachsandten. Doch wir waren schon zu weit entfernt als das uns ihre todbringenden Geschosse noch erreichen konnten.
Schnell gewann das Schiff an fahrt und je schneller es wurde umso mehr schien alles um mich herum im Nebel zu versinken, gerade wollte ich nach meinen Kameraden sehen als mir schwarz vor Augen wurde und ich ohnmächtig zu Boden stürtzte. Als ich wieder erwachte fand ich mich entkleidet, auf ein einfaches Lager gebettet wieder. Ich sah mich um doch ich sah lediglich einen langen Schleier der von der Decke herrabhing. Langsam erhob ich mich und schob das Tuch zur Seite. Ich war in einem kleine Raum mit drei fast gleichen Betten. An der Wand brannte ein flackerndes, wärmendes Feuer, auf einem Tisch neben meinem Bett fand ich meine Kleidung und schlüpfte in die Robe, dann ging ich zum Fenster und warf einen Blick hinaus. Der Anblick verschlug mir im ersten Augenblick die Sprache, alles war mit feinem weißen Schnee bedeckt, Bäume und Wiesen. In der Ferne konnte ich das Meer erkennen, ich lauschte öffnete das Fenster und lauschte in die Kälte hinaus. Das Donnern der Brandung und das Rauschen des Windes in den Gipfeln der Bäume drang an mein Ohr. Ich verschloss das Fenster wieder und untersuchte die anderen Betten, fand diese aber verlassen vor.
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