Die Flucht ins Nirgentwo
Langsam schritten wir durch den gerade entstandenen Spalt und blickten voller Staunen in einen grossen Raum, in der Mitte stand ein runder Tisch aus hartem Holz der sicher schon einige Jahrtausende überdauert hatte. An des Wänden waren zwischen den Regalen und Waffeständern Fackel befestigt die den Raum in ein warmes Licht tauchten. Voller Erstaunen stellte ich fest das die Luft hier drin frisch und angenehm war, nicht wie ich erwartet hatte alt und abgestanden, nirgens war schmutz oder Staub zu finden, gerade so als ob die Erbauer gerade erst die Güter hereingeschafft hatten und dann gegangen waren um jeden Augenblick zurückzukommen. Doch nachdem was ich wusste waren es Zwerge, und die Stunde der Zwerge war schon seit langem gekommen, schon vor tausenden von Jahren hatte der Schicksaalsbote sie restlos vom Angesicht Altheas getilgt, hatte er ihre Städte und Festen dem Erdboten gleichgemacht.
Jane und ich begutachteten die Waffen in den Regalen und die Rüsten auf den Ständern, dann wurde ich auf eine spezielle aufmerksam, in einer gläsernen Vitrine lag eine riesige Streitaxt. Fast 5 Ellen war ihre zweiseitige Schneide lang, und das Metall glitzerte und strahlte wie ein Diamant im Lichte der Fackeln. Jane stand hinter mir und blickte neugierig über meine Schulter: Jaja das Teil iss nach deinem Geschmack stimmts? Ich beugte meinen Kopf zur Seite und grinste sie an, dann öffnete ich die Vitrine und hob die Waffe an. Sie war schwer und doch stellte ich schnell fest das sie gut ausbalanciert war. Als ich sie fest in die Hand nahm leuchteten die in den Griff eingelassenen Runen kurz in einem grellen rot auf um dann zu einem dunklen rubinfarbenen Pulsieren überzugehen. Erst jetzt viel mir das Pergament auf welches unter der Ablage lag und ich stellte die Waffe vorsichtig zurück um das Schriftstück zu begutachten.
Mhorl Eisenbieger sprach zu seinen Schmieden,
die Engel stehen vor den Toren,
versuchen uns zu brechen,
unsre Tore zu zerschlagen.
Ihre Schwingen leuchten Hell,
ihre Kräfte sind unendlich,
ihre Götter voller Zorn,
sie suchen uns zu jagen.
Unser Blut und unser Arbeit,
sind es was sie begehren,
doch nie zu bekommen sind sie verdammt,
das Blut unserer Ahnen.
Eine Waffe werden wir schmieden,
ihre Mächte zu verbannen,
ihren Hochmut zu zerschlagen,
die Götter zu belehren.
Die Macht des heiligen Stahls,
die Macht Drakorts wollen wir sie lehren,
und den Schlächter der Engel zum Leben erwecken.
Den Schlächter der Engel, ich mussterte den Kopf der Streitaxt und entdeckte ein paar alte Zwergische Lettern: Mögen die Götter ihren unwürdigen Engeln verzeihen die von der Macht des Engelsschlächters geschlagen wurden. Dann drehte ich in einer Vorahnung das Pergament um und fand dort geschrieben:
Wisse der du dieses Arsenal findest, dies ist Engelsschlächter, die Waffe von Mhorl Eisenbieger, sie wurde einst von den besten Schmieden Drakorts geschmiedet um der Bedrohung durch ein Heer von Seraphim zu entrinnen die seit Monden die Tore der Feste Drakort belagerten. Wisse fremder, dies ist keine gewöhnliche Waffe, sie hat ihren eigenen Verstand, ist ein lebendes Wesen, allein zum Guten kann sie verwendet werden, allein dem Schutz der schwachen wird sie dienen. Nie wird sie es zulassen dem Eigennutze und dem Machterwerb zu dienen. Eher wird sie ihren Besitzter und sich selbst zerschmettern als das sie der Dunkelheit anheim fällt. Sie dient keinem Gotte nur ihrem Herren, den sie selbst sich erwählte. Nutze sie weise Fremder und sie wird dich behüten, versuch sie zu verführen und dein Schicksal wird besiegelt sein.
Engelsschlächter murmelte ich leise, dann wandte ich mich um und sah wie meine Schwester sich gerade in eine Lederrüste zwengte und einige Utensilien in ihre Taschen packte. Sie ergriff einen Langbogen und einen füllte einen Köcher mit Pfeilen, dann drehte sie sich zu mir um, an ihrem Gürtel baumelte locker ein Kurzschwert und sie lächelte mich an: Wie lange willst du eigentlich noch wie angewurzelt diese Axt anstarren, nimm sie oder lass sie liegen, Sie warf sich noch eine Dunkle Robe über und sah mich erwartungsvoll an. Ich sah mich erneut um und mein Blick viel auf eine Plattenrüste, zuerst wollte ich mich von diesem schweren Schepperndem Ungetüm abwenden, doch etwas zog mich magisch zu ihr hin.
Ich gab dem seltsamen Verlangen nach und schritt darauf zu, als ich sie berührte, bemerkte ich das die scheinbaren Panzerplatten aus feingewebtem Stoff bestanden, ich berührte striff vorsichtig mit dem Finger darüber und hörte keine Laut. Ich hatte schon viele Rüstungen gesehen, aus gewebten Stoffen, beschlagenem Leder, geschmiedete Ketten und mächtige Drachenschuppenpanzer, doch noch nie hatte ich gewebtes Metall gesehen, noch nie hatte ich ein solches Metall gesehen, es schien in allen Farben des Regenbogens zu schillern und die verwebten Fäden waren Hauchdünn. Misstrauisch nah ich einen der Handschuhe und legte sie auf denk Tisch, dann nahm ich einen Dolch zur Hand und schlug darauf mit aller Kraft ein. Doch der Dolch glitt einfach ab, nicht einmal ein winziges Loch war zu sehen, ich runzelte die Augenbraue und zog mir die Rüstung an, bei genauem hinsehen, fand ich überall kleine magische Runen die in einem schwachen blauen Licht zu funkel schienen. Dann spürte ich plötzlich ein Beben des Bodens und im hinteren Teil des Raumes flammte ein bläuliches Portal auf. Ich ergriff noch eine einfache Dunkelgrüne Robe und warf sie über meinen Rücken, in meinen Gürtel steckte ich zwei kleine gewundene Dolche und dann ergriff ich hastig die Axt. Ich ging auf das Portal zu und sah auf der anderen Seite einen grünen Wald. Ich wollte schon fast hineintreten als Jane etwas schrie, ich schnellte herum und konnte gerade noch den Hieb des mächtigen Trolls parieren.
Ich sprang zurück und der Troll brüllte wütend auf und stürmte auf mich zu er risse um sich herum die Regale um und das Metall klirrte auf den Boden. Ich rief Jane zu sie solle durch das Portal springen und hieb zugleich auf den Troll ein. Die Axt zerteilte seine primitiv wirkende Keule und der troll warf die Stummel wütend im meine Richtung. Aus den Augenwinkeln erkannte ich wie Jane durch das Portal sprang. Und wieder holte ich gegen den Troll aus, dieser Schlag nun traf, und der Schädel des Ungetüms stürzte polternd zu Boden. Ein Schwall stinkendem rotbraunen Blutes spritze über den Boden, als sich im hinteren Teil der Höhle ein Spalt öffnete. Die Runen der Axt glühten dämonisch auf und ich erblickte wie sich eine Gruppe von Menschen die Treppen hinabbewegten, zuerst sah ich nur ihre Leiber, doch dann erkannte ich auf ihrem Rücken die mächtigen weissen Schwingen. Seraphim, schoss es durch meinen Kopf!
Plötzlich leuchten die Wände der Höhle auf und es wurde in Sekunden unerträglich warm, schweis tropfte von meine Stirn und ich schleppte mich mühsam zu dem Portal, die Seraphim stand noch auf der Treppe und schienen zu diskutieren, dann fingen die Bögen und hölzernen Regale wie von selbst an zu brennen, und die Wände des Arsenals leuchteten immer stärker, mir erschien es fast als ob Tropfen flüssigen Gesteins von oben herabtropfen würden. Und ich sprang in das Portal, noch während des Sprunges bemerkte ich das sich das Bilde auf der anderen Seite geändert hatte, der Wald einer Stadt gewichen war, ich wollte schreien, doch das Feld des Portals hatte mich bereits erfasst und zerrte mich unweigerlich in sein innerstes.
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