Das Kloster der Ewigkeit
Ich fühlte ihre wärme, ich schloss einfach meine Augen und weinte. Sanft fuhr sie mir durchs Haar. Nur langsam gewann ich meine Fassung zurück, ich atmete tief durch und sie lockerte ihre Umarmung. Ich blickte sie an und sie lächelte, ich schloss für einen Augenblick meine Augen, dann spürte ich wie mich ihre Lippen sanft berührten. Zärtlich liebkoste sie meinen Hals und meine Oberkörper, ich wagte es nicht meine Augen zu öffnen. Ich spürte wie ihre Lippen meinen Mund suchten und gab dem inneren Widerstand nach, ich legte meine Arme um sie und erwiderte ihren Kuss. Immer inniger wurden unsere Umarmungen und Liebkosungen, das Feuer loderte im Kamin und ich spürte ihren warmen, weichen Körper unter meinen Fingern. Er erschien mir so vertraut und doch so mystisch fremd und anziehend. Wir liebten uns noch viele Male in dieser Nacht. Für eine Augenblick konnte ich all meine Sorgen vergessen, der Schmerz den ich eben noch verspührte war von mir gewichen. Allein ihrer Nähe, ihre endlose Wärme und Leidenschaft waren wie ein heilsamer Balsam für meine Seele.
Doch waren meine Wunden noch nicht ganz verheilt und irgendwie gelang es ihr immer wieder mich davon abzuhalten zum Kloster zurückzukehren, so verbrachte ich noch fast drei Monde in Felerias Hütte. Jeden Morgen gingen wir zusammen in den Wald, wenn die Fleischvorräte zur Neige gingen jagten wir und Feleria lehrte mich fast ebenso viel über die Kräuter und Wurzeln des Waldes wie ich ihr bei brachte. Eines Morgens erwachte ich und fand auf dem Tisch eine Nachricht von ihr.
Ich muss heute in die Berge, es ist schon zulange her das ich ein paar alte Freunde besucht habe, sie sind sehr scheu daher ist es vielleicht besser wenn ich allein gehe.
Also ging ich an diesem Tag allein in den Wald um mein Tagewerk zu verrichten, am Abend kam sie erst recht spät zurück. Auch wenn ich ihrer Fähigkeit sich im Wald zurechtzufinden vertraute, hatte ich mir doch Sorgen um sie gemacht. Sie erklärte mir das in den Bergen eine Familie von Greifen ihre Höhle hätte und sie ab und an nach dem Rechten sah. Ich war erstaunt zu hören das es hier noch Greifen gab, und mit einem traurigen Blick sagte sie mir: Sie sind, scheu die Greifen, sie meiden den Menschen und alles was mit ihm zu tun hat, ich habe drei Jahre gebraucht ihr Vertrauen zu gewinnen. Hier auf dieser Insel leben die wahrscheinlich letzten Greifen von ganz Althea., in ihren Augen loderte plötzlich eine leise Hoffnung auf: und sie haben Nachwuchs bekommen, vor ein paar Tagen ist ihr Junges geschlüpft. Ich nahm sie herzlich in den Arm und konnte ihre Freude fast schon spüren.
Im laufe der nächsten Tage ging sie immer öfter zur Greifenhöhle, nicht den ganzen Tag, aber drei oder vier Stunden verbrachte bei ihnen. Bis zu jenem Tage als sie am Abend nicht zurück kam, ich machte mir Sorgen, sagte mir aber das sie vielleicht den Einbruch der Dunkelheit verpasst habe und in der Höhle geblieben war. Doch auch am nächsten Morgen kam sie nicht zurück, ich wartete vergebens auf sie, als sie am Abend immer noch nicht wieder auftauchte beschloss ich mich am nächsten Morgen selbst auf die Suche zu machen. Ich schlief unruhig in dieser Nacht und zum ersten Mal seit meiner Kindheit träumte ich von jenem Tag als die Bären die Stadt Karakum dem Erdboden gleichmachten. schweissgebadet wachte ich auf und stellte fest das es bereits dämmerte, ich legte meine Kleider an und verließ die Hütte in Richtung der Berge.
Ich folgte dem kleine Pfad den Feleria eingeschlagen hatte und schon bald konnte ich ins Tal hinab blicken, die Bäume wurden kleiner und spärlicher, allmählich wich das Grün des Tales dem kahlen nackten Fels des Berges. Als ich plötzlich in furchterregendes Kreischen über mir hörte, einem Drachen gleich schoss eine Geflügelte Kreatur auf mich herab und ich warf mich flach auf den Boden um ihren Klauen zu entgehen. Der Greif landete wenige Meter vor mir und kam mit gespreiztem Gefieder und laut kreischend auf mich zu, ich stand langsam auf und war meine Axt zu Boden. Vorsichtig richtete ich meinen Blick auf den riesigen Raubvogel und die Linien unsere Augen trafen sich, der Greif hielt in seinem Angriff inne und musterte mich von Kopf bis Fuß, dann fiel sein Blick auf meine Axt die am Boden lag und er senkte seine Flügel. Misstrauisch beäugte er mich weiter und ich ging vorsichtig eine Schritt auf ihn zu, ich erkannte wie sich seine Muskeln erneut spannten. Und leise begann ich zu summen, es war ein beruhigendes, sanftes Summen, ich hatte es schon oft angewandt um scheue Tiere anzulocken. Der Greif stieß einige unartikulierte Laute aus dann vernahm ich ein paar undeutliche Worte: Feleria, Schwingenkrieger, in Mönchshaus.... Ich war starr vor Schreck und fast hätte ich die letzten Worte überhört: haben Junges geraubt, Schwingenmenschen aus Mönchshaus Der Greif krächzte schwach und entfaltete wieder sein Gefieder, dann flog er in Richtung des Berggipfels davon.
Tränen schossen in meine Augen, ich ballte meine Hände zusammen und schrie meine Wut auf den Berg hinaus. Ich ging auf die Knie und weinte. Ich starrte und auf den nackten bloßen Fels unter meinen Füßen. Ich sah wie meine Tränen auf den Boden trafen und sich ein kleiner nasser Fleck bildete, aus dem Fleck wurde eine Pfütze und die Flüssigkeit ran wie ein dünner Faden davon. Ich folgte instinktiv dem Lauf meiner Tränen und stellte erstaunt fest das sie statt den Berg hinab zufließen in Richtung des Gipfels gezogen wurden. Ich würgte einen schleimigen Klos in meinem Hals herrunter der sich gebildet hatte und stand verwundert und mit einem neuen hoffnungsvollen Funken in meinem Herzen auf. Langsam folgte ich dem Rinnsaal welches zielstrebig in Richtung des Gipfels floss. Als ich oben ankam, spürte ich den kühlen Luftzug des Hangwindes der sich über dem Gipfel fing und zu einem Wirbel verschmolz. Ich blickte mich um und es schien mir als würde ich in einem Traum umher wandeln. Diese Felsen, ich ging auf lose daliegenden Brocken zu und umrundete ihn langsam.
Ich war gerade auf der anderen Seite angelangt als ich ein Zeichen entdeckte welches in den Fels gehauen war, mein Atem stockte, wieder schossen Tränen in meine Augen und ich blickte mich suchend um, auf der anderen Seite des Berges wand sich ein schmaler Pfad in ein Tal hinab, ich begann zu rennen, ich stürzte und rappelte mich wieder auf. Dann sah ich vor mir einen Schmalen in Durchgang in den Felsen. Ich hielt inne, hinter dem Durchgang waren Geräusche zu hören, ich spürte eine vertraute Präsenz, mein Blick glitt über die Wiesen und den Fels des Berges. Am Himmel sah ich ein kurzes Leuchten, ich strengte meine Augen an um zu erkennen was es war und dann erkannte ich die Konturen eines Adlers der wachsam seine Kreise am Himmel zog, mein Herz füllte sich mehr und mehr mit Hoffnung: Drakonis, mein Alter Freund., flüsterte ich und setzte meinen Weg in Richtung des Felsentores fort. Ich erreichte es am späten Nachmittag dieses eben noch so schmerz- und leidvollen Tages. Ich bemerkte wie mein Atem schneller wurde, mein Herz raste und meine Hände zitterten, als ich das riesige natürliche Tor durchschritt. Ich stieß einen Schrei der Verwunderung aus als ich in ein kleines Tal blickte, welches ich sehr gut kannte, es war das Tal unter dem Gipfel des Finsterberges, das Tal der Bären, hier hatte ich meine Kindheit verbracht, hier war ich aufgewachsen. Alles schien noch immer so wie an dem Tage als ich meine Heimat verlassen musste. Und doch hatte ich Mühe zu glauben das all dies real war, hatte ich doch mit eigenen Augen gesehen wie das Tal, das ganze Gebirge im Nichts verschwanden. Nicht alles ist so wie es scheint, es gibt Dinge in dieser Welt die uns verschlossen bleiben, manche bis zu dem Tage an dem wir reif dafür sind, manche auf Ewig. Ich drehte mich um, konnte aber niemanden entdecken. Nur ein leises Lachen war zu vernehmen. Ich schloss meine Augen und schüttelte meinen Kopf, dann öffnete ich meine Augen und starrte in die glühenden roten Augen eines gigantischen Bären, der mich seltsam liebevoll anblickte. Ein leises, glückliches Brummen entrann der Kehle des Giganten. Zuerst starrte ich ihn an dann umarmte ich den monströsen, flauschigen Hals der Bärin. Die Bärin schien zu lachen, wenn man es lachen nennen konnte und hob mich auf ihren Rücken und trug mich in die Höhle. Für einen Augenblick fühlte ich mich wie in meiner Jugend als ich noch hier gelebt hatte.
Jedoch hielt diese Euphorie nicht lange an, denn schnell kehrten die Gedanken an die Schrecken der letzten Monde zurück, ich musste an meine Gefährten denken und vor allem an Feleria. Wieder schossen mir Tränen in die Augen wenn ich mir ausmalte was ihr wohl zugestoßen war und aus welchem Grund die Seraphim sie entführt hatten. Am Abend als ich dann von Zweifeln und Selbstvorwürfen getrieben aufbrechen wollte, stand plötzlich ein riesiger Bär vor mir, im Halbdunkel der Höhle sah ich nicht auf den ersten Blick das es der graue Gigant war der einst die Bären gegen Karakum geführt hatte. Er bedeutete mir ihm zu folgen und ich zögerte keine Sekunde, doch was er mir zeigte war alles andere als friedlich, er führte mich in ein kleines Tal auf der anderen Seite der Höhle, wieder einmal huschten Gedanken an meine Kindheit an meinen Augen vorbei. Doch als wir durch das Felsentor schritten erstarb mein Sinnendes lächeln. Vor mir lag ein Schlachtfeld, hunderte geschundener Leiber, von Jungbären lagen hier, das Gras war rot vom Blut und inmitten der Bärenleiber lagen einige erschlagene Menschenkörper, erst als ich genau hinsah erkannte ich die Stümpfe von Seraphimschwingen auf ihren Rücken. Erst jetzt wirde mir gewahr das ich nicht ein Jungtier in der Höhle gesehen hatte. Ich schrie vor Wut als ich das Ausmass der Bluttat erkannte, und schon bald wurde aus meinem schreien ein heulen in das wie auf Befehl hunderte von Stimmen einfielen, von den Bergen tönte das Geheul der Bären und von den fernen Bergen auf der anderen Seite der Insel tönte ein markerschütterndes Jaulen eines Wolfes, der Himmel verfinsterte sich und die Wolken wanden sich in dämonischen Mustern. Ich ergriff meine Axt und drehte mich zu meinem Führer um. Ich blickte in seine von Wut, und Trauer geweiteten Augen und nickte ihm zu. Er heulte auf und hob mich dann auf seinen Rücken, ich erschauderte als ich all die Bären sah die uns folgten, dann tauchten wie aus dem nichts die Wölfe aus und begleiteten den Zug, geführt von einem Wolf in strahlend weissem Pelz. Zur Stunde der Mitternacht erreichten wir die letzte Anhöhe vor dem Kloster.
Doch die Landschaft hatte sich verändert, statt grüner Wiesen und mächtigem Waldes erstreckte sich vor uns eine tote Wüste, durchzogen von Lavaströmen und giftigen Tümpeln auf den Mauern des Klosters brannten riesige Feuer und vor den Toren versammelten sich geifernde Dämonenhorden, geführt von riesigen Schwingentragenden Dämonen bewachten sie die Tore. Im flackern der Feuer erkannte ich die Bogenschützen auf den Zinnen. Ich sprang von meinem Träger ab und stellte mich aufrecht neben ihn, meine Axt bereit in der Hand, auf den Augenblick wartend.
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