Damians Rettung
Ich erreichte die Stadtgrenze von Lichthafen kurz nach Anbruch der Dämmerung und erkannte auf der anderen Seite des Stadtgrabens ein dutzend Krieger der Königlichen Garde die den Weg in die Stadt bewachten. Leise schlich ich mich zur westlichen, kaum genutzten Brücke, fand diese jedoch mit Geröll und Brettern verbarrikadiert vor. Ich ahnte bereits das man damit rechnete das jemand nach Damian suchte und mir wurde klar das es wohl oder übel zum Kampf kommen würde. Doch ich hatte nicht vor mich blindlings auf eine Schlacht einzulassen, also lief ich noch am selben Abend zur Diebeshöhle und den Eremiten aufzusuchen.
Wie üblich moserte der alte rum, das man ihn in Ruhe lassen sollte, aber als ich ihm erzählte was mich nach Arakas trieb und das eine Armee von Goldmond in Lichthafen stationiert war wurde er nachdenklich. „Das klingt nicht gut, Goldmond dient Artherk und sonst niemandem – der König selbst ist nichts weiter als eine Marionette des Gottes, ich weis nicht was es mit dieser Schlucht auf sich hat oder mit diesem Drakort. Aber ich weis eins Artherk hat Angst, wovor? Ich weis es nicht aber seine Furcht muss gross genug sein das er seine irdischen Kräfte mobilisiert.“ Er erzählte mir noch einige alte Geschichten die er im laufe seines Lebens gehört hatte und zum Schluss führte er mich ins Hinterzimmer seiner Behausung. Er zog hastig den schäbigen Teppich zur Seite und Augenblicklich flammte ein leuchtendes Portal auf. „Transus Porticus Lichtus Hafnus“, murmelte der Eremit und bedeute mir durch das Portal zu treten.
Ich schritt durch den lodernden Feuerkreis und landete binnen Sekunden in einem kleinen Haus neben dem Tempel in Lichthafen. Ich duckte mich rasch und kroch zum Fenster um nach draussen zu spähen. Überall brannten Feuer und waren Fackeln aufgestellt. Die Stadt war hell wie am tage und an jeder Ecke standen Seraphim in den Farben Goldmonds. Ich suchte verzweifelt nach einem unbewachten Pfad doch konnte ich keinen entdecken. Also untersuchte ich den Raum in den ich teleportiert war und fand ein paar alte Lumpen, die ich rasch über meine Kleidung zog. Meine Axt versteckte ich in einem an der Wand lehnenden Holzbündel und warf mir dieses sogleich über die Schulter. Bevor ich aufbrach verschmierte ich noch mein Gesicht mit etwas Russ aus dem alten Kamin und schlich mich dann leise aus der Tür in Richtung der Höhle.
Ich hatte schon fast die Hälfte des Weges geschafft und wollte gerade in den unbeleuchteten Bereich hinter den Häusern verschwinden als eine Stimme von hinten rief: „Hey, da! Was machst du hier draussen... Ihr verfluchten Bauern sollt euch doch von der Strasse fern halten. Nur Seraphim dürfen des Nachts hier sein!“ Ich hielt inne und drehte mich langsam um. Direkt hinter mir stand ein hochgewachsener Seraphim in Schimmernder Rüstung, in der einen Hand hielt er ein mannshohes Schild und die andere lag am Griff seines Schwertes, welches lose im Halfter baumelte. Der Seraphim spieh vor mir auf den Boden und schubste mich in die Dunkeheit. „Verdammter ungläubiger Abschaum, dir werde ich zeigen was es heisst den Befehlen des Königs wiederstand zu leisten“, zischte der Seraphim und holte mit geballter Faust nach mir aus.
Blitzschnell durckte ich mich unter seinem Schlag hinweg und der Seraphim hieb mit voller Kraft gegen die Steinerne Wand, das der Lehm aus den Fugen bröckelte. Ich wand mich unter seinem Arm hinweg und zog einen glänzenden mit Juwelen besetzten Dolch aus der versteckten Scheide in meinem Gürtel. Ein kurzer Fluch drang aus der Kehle meines Angreifers, dann sackte er kraftlos zusammen und Blut strömte unter seinem Helm hervor, da wo sich der Stahl einen Weg zwischen Helm und Rüstung gesucht hatte. „Überheblicher Götzendiener“, knurrte ich und versteckte die Leiche im Nahen Dickicht. Als ich den leblosen Körper unter einem Haufen Laub verstecken wollte hörte ich ein leises Atmen im Wald, konnte aber niemanden entdecken, also setzte ich meinen Weg fort.
Leise und vorsichtig schlich ich mich nordwärts und hatte die ganze Zeit über das Gefühl das mir etwas oder jemand folgte, da ich jedoch niemanden entdecken konnte, tat ich es als Hirngespinnst ab und näherte mich vorsichtig dem Eingang der Höhle. Drei Seraphim standen dort und prahlten vor einander von ihre heroischen Taten und ihrer absoluten Macht gegenüber den Menschen. Verbissen lächelte ich in mich hinein und dachte kurz an den Seraphim der mich noch vor einigen Minuten hatte Zucht und Ordnung lehren wollen. Ich schlich geschützt vom Dickicht des Waldes bis nahe dem Höhleneingang und huschte in einem günstigen Augenblick, einem Schatten gleich in den finsteren Schlund. Drinnen war es schummrig erleuchte und Fackeln säumten den Weg durch das Labyrinth der Höhlen und Kavernen. Ich tastete mich langsam an den Wänden vorwärts und hörte auch schon bald Geräusche aus der Tiefe der Höhle. Ich legte mich flach auf den Boden und kroch näher an die Stimmen heran.
Vor mir lag eine etwas hellere Kaverne die von leuchtenden Juwelen und Fackeln erhellt war in der Mitte des Raumes stand ein Mannshohes hölzernes Kreuz an das eine reglose Gestallt gefesselt war, ohne Zweifel war es Damian der dort am blutend und bewusstlos am Kreuze hing. Ich knurrte leise vor Wut und beobachtete den Raum, neben dem Kreuz standen Zwei Seraphim die angeregt über irgentetwas zu diskutieren schienen. Am schmalen Eingang der Höhle standen noch zwei weitere, in Stählerne Rüstungen gekleidete Figuren die in die Finsterniss starrten als könnten sie dort etwas entdecken. Ich griff in meine Tasche und zog ein unscheinbares Bündel hervor, aus dem Bündel hohlte ich einige biegsame Stäbe und eine feste Sehne die ich in windeseile zu einem Bogen zusammensetzte. Auch Feile hatte ich parat und tunkte die Spitzen in ein kleines Glas einer höchst unangenehm riechenden, rötlichen Flüssigkeit.
Ich richtete mich in der Finsterniss auf und spannte den Bogen, ein Zischen durchfuhr die Luft und eine der Wachen stürzte mit lautem Scheppern zu Boden, der andere stolperte zu seinem Kameraden um nur Augenblicke später direkt neben ihm zusammenzubrechen. Die beiden nobel gekleideten Seraphim in der Mitte des Raumes holten ihre Säbel herraus und starrten zu den zusammengebrochenen Wachen. Dann gab der eine ein Zeichen und verschwand in einer Schimmernden Spirale. Ich stiess einen kurzen Fluch aus und griff nach meiner Axt um auf den anderen zuzustürzen. Es war nicht schwer die wilden Schläge des Seraphim zu parieren und als ich aus voller Wucht auf seine Waffe hieb barst diese in einem Wirbel von tausenden Funken in zwei Teile, der Seraphim taumelte ein paar Schritte gen Ausgang und suchte dann sein Heil in der Flucht.
Ich blickte mich um, konnte aber von dem anderen keine Spur entdecken, also eilte ich zu Damian. Eilig band ich ihn vom Kreuz, denn sicher würde es hier bald von Wachen wimmeln die uns nach dem Leben trachteten. Damian war ohne bewusstsein, sein Körper übersäht mit Wunden und Striemen einer Peitsche. Sein Gesicht zeigte deutliche Spuren der Misshandlung und voller grauen entdeckte ich ein scheusslich vereitertes Brandmal auf seinem Rücken. „Verfluchte Götzenanbeter!“, grummelte ich und holte ein paar Kräuter aus meiner Tasche, ich fertigte einen notdürftigen Verband an und flösste Damian dann ein paar Tropfen meines ganz speziellen Kräutersaftes ein. Damian hustete augeblicklich und spie auf den Boden: „Was ist das schon wieder für eine Teufelei, ihr verfluchten Hure....“ Er blickte mich an und kniff misstrauisch die Augen zusammen: „R.. Reaper? Bist’es wirklich? Oder bin ich tot?“ Ich lächelte ihn an und sagte: „Nee, nee so einfach kommste mir nicht davon, aber jetzt schnell!“ Ich drehte mich um und blieb erstarrt stehen, in dem schmalen Ausgang stand der Seraphim der sich eben noch unsichtbar gemacht hatte und hielt eine Repetierarmbrust in der Hand.
Höhnisch lachte er: „Ach wie fein, die beiden Spione vereint und bereit vor ihren Schöpfer zu treten um von ihm ins Fegefeuer gestoßen zu werden.“ Ich wollte gerade todesmutig auf den Seraphim zustürmen als aus den tiefen der Höhle ein grausiges Geheul erklang und wie eine Furie sprang ein Wolf aus der Finsterniss hervor. Ein prächtiger Wolf mit strahlend weissem Fell und der Seraphim brach unter stöhnen zusammen, der Schuss der sich aus der Armbrust löste raste an uns vorbei und ich stürmte auf den Seraphim zu, doch es war bereits um ihn geschehen, der Wolf hatte als würde er die Schwachstelle des Engels kennen das Gefieder mit dem Maul gepackt und die Schwingen vom Leib des Wesens gerissen. Ein letzter Schrei entdrang dem Mund des Seraphim dann brach er unter einem letzten Aufbäumen tot zusammen.
Immer noch sprachlos starrte ich den Wolf an und entdeckte die Narbe in seinem Fell, ich strich ihm sanft über den Kopf und sagte: „Ich weis nicht wie du hierher gekommen bist, aber du hast mein Leben gerettet und das werde ich dir nie vergessen, wenn du willst, kannst du mich begleiten.“ Der Wolf setzte sich wie zustimmend kerzengerade hin und reckte seinen Kopf in die Höhe. Da viel mir das Amulett ein das ich gefunden hatte, ich holte es aus meiner Tasche und band es vorsichtig um seinen Hals. „Du bist also Drakos?“ Der Wolf heulte auf und von allen Wänden hallte es wieder und in der Finsterniss leuchteten plötzlich ein Dutzend Augen und langsam schälten sich die Konturen eines ganzen Wolfsrudels hervor. Fassungslos lächelte ich zu Damian herüber, der ebenfalls ohne ein Wort fasziniert zu den Wölfen starrte. Dann hörte ich im Gang ein Klappern und rasseln. „Schnell wir müssen hier raus!“ Und wir stürmten gefolgt von den Wölfen durch den schmalen Durchgang.
(C) Reaper
design and programming by bunix
