Sehnsüchte

Nun, ich glaube jeder kennt mich als eine aufrechte Kriegerin, immer mit dem Schwert bereit, nie einem guten Schwerttanz abgeneigt. Na gut, manchmal lasse ich es mir in der Taverne gut gehen, vor allem im Kreis meiner Freunde. Doch auch ich bin nur eine Frau, auch ich habe Träume, Wünsche, Sehnsüchte. Zu lange ist es bereits her, als ich mit meinem Schwertgefährten über Steinbergen streifte, oftmals allein schaute ich mich ein wenig im Orakel, oder in den Niemandslanden um. Ich sehne mich wieder nach ihm, seinen Umarmungen, seinen Küssen.
In einer kurzen Pause, als die letzten der B’thastan unter meinen Schwerthieben fallen, beschliesse ich meine Zuflucht aufzusuchen, im „Zum Lustigen Abenteurer“, dort wollte ich auf Arikus warten, oder zumindest hoffte ich dort eine Nachricht von ihm zu finden. Torgas war sehr vertrauensvoll, schon oft haben wir bei ihm Nachrichten für den anderen hinterlassen, auf seine Diskretion ist Verlass.
Die Dämmerung bricht bereits an, als ich den Weg zurück antrete. Der Weg ist nur noch schemenhaft zu erkennen, als ich vor mir die Stadttore von Felsriff erkenne. Eilig gehe ich am Brunnen vorbei, in Richtung der Taverne. Nachts ist selten jemand hier in den Nebengassen der Stadt, niemand begegnet mir unterwegs. Ich komme an dem schmalen Pfad vorbei der zum See führt an dem ich oft bade und meine Rüstung säubere, doch heute habe ich keine Lust dazu, es muss bis morgen warten. Schließlich erreiche ich den „Lustigen Abenteurer“, doch es brennt kein Licht. Ich greife zum Türknauf und bemerke verwundert das die Türe offen steht. Bereit, mit dem Schwert in der Hand, trete ich schnell ein und schließe leise die Tür hinter mir. Die Taverne wurde nur notdürftig durch das einfallende fahle Mondlicht erhellt. Keine Bewegungen konnte ich ausmachen und so rufe ich leise: „Torgas, seid ihr hier?“ Doch keine Antwort. Ich zünde eine der Kerzen auf dem Tisch an und schaue mich um. Eine Maus huschte verschreckt durch den Raum, ansonsten war außer mir niemand hier, auch Daran Leichtfuss geht offenbar seinem diebischen Gewerbe nach. Wahrscheinlich war Torgas nur unachtsam beim Schließen der Tür, so nehme ich mir aus seinem Regal eine Flasche des köstlichen Zentaurenweins und begebe mich nach hinten in das Kaminzimmer. Mich friert etwas, und ich schüre das herabgebrannte Kaminfeuer neu an und lege noch etwas Holz nach. Hier sitze ich oft mit Arikus, *seufz* , wäre er doch nur hier.
Da sehe ich auf dem Tisch eine Feder, ein Tintenfass und ein aufgeschlagenes Buch. Eine Nachricht von Arikus? So schiesst mir freudig der Gedanke durch den Kopf, und nehme das Buch zur Hand. Doch nein, diese Schrift kenne ich nicht, auf dem Buchdeckel steht „Torgas Tagebuch“. Ich will es schon wieder zuschlagen und zurücklegen, als ich auf einer der Seiten plötzlich meinen Namen lesen kann. Neugierig schlage ich die Seite auf und beginne zu lesen:

Eintrag 3. Tag im 2 Monat
Das Geschäft lief heute wieder sehr schlecht. Kaum ein Gast verirrt sich in meine Taverne. Die Straßenbeleuchtung, die ich beim Bürgermeister forderte, wird auch nicht installiert. Er meinte zu mir er könne sich nur die Beleuchtung für den Hauptweg leisten. Bei dieser Dunkelheit und den üblen Gesellen, die sich hier herumtreiben, bleibt mein Geschäft wohl weiterhin schlecht. Dieser elende Daran kann ich auch nicht hier vertreiben, er vergrault mir auch noch die wenigen Gäste die ich überhaupt noch habe. Selbst Kithara war schon lange nicht mehr hier, ist sie doch immer gut gelaunt und erhellt den Raum mit ihrem Lachen. Naja, sie lässt auch immer anschreiben und bezahlt nie.
Ich wollte die wenigen Münzen die ich einnahm noch zur Bank bringen, und die Taverne dann schliessen. Doch als ich die Fensterläden schließen wollte , sah ich im Mondlicht eine Gestalt auf die Taverne zukommen, soweit ich erkennen konnte war es Kithara. Doch plötzlich bog sie vom Weg ab und verschwand zwischen den Bäumen und Büschen. Wo wollte sie denn hin? Da die Taverne sowieso leer war beschloss ich ihr zu folgen. Leise schlich ich mich hinter ihr her, doch ich konnte sie in der Dunkelheit nicht direkt finden, plötzlich stand ich am Schilf des Sees, ich hörte leises Geplätscher im See. Schnell duckte ich mich und spähte durch das dichte Schilfgras. Da sah ich sie, es war tatsächlich Kithara, sie hatte ihre Rüstung abgelegt und reinigte sie am Ufer des Sees, ihre weiße Haut schimmerte im Mondlicht. Plötzlich schob sich eine Wolke vor den Mond und ich konnte nichts mehr erkennen. Um mehr sehen zu können bewegte ich mich leise und vorsichtig näher, dabei fand ich einen Busch in der Nähe des Ufers und versteckte mich leise im Gehölz, doch wo war Kithara? Ihre Rüstung lag noch am Ufer. Leises Plätschern veranlasste mich in den See zu schauen. Ich hielt den Atem an, keine fünf Meter von mir entfernt sah ich sie Baden, doch viel konnte ich nicht erkennen. Die Dunkelheit färbte das Wasser schwarz, nur ihre langen blonden Haare konnte ich erkennen, wie sie nass in ihrem Gesicht klebten. Doch sie war bis zur Brust im Wasser eingetaucht. Ich wollte mehr sehen und wollte mich schon vorbeugen, als ich vom Weg her Schritte und knackende Äste vernahm. Wer kam jetzt? Ein Blick zu Kithara, sah wie sie sich Richtung Schilf bewegte, aber sich keine Sorgen zu machen schien. Da sah ich eine Gestalt kommen, doch ein Baum verhinderte mir die Sicht. Auch er legte seine Rüstung ab und ging in den See. Es war Arikus. Freudig schwammen die beiden aufeinander zu, umarmten sich stürmisch, küssten sich leidenschaftlich. Ich schloss sie Augen, wagte nicht zu atmen. Ein Geräusch von mir und ich könnte den Goblins in der Hölle Gesellschaft leisten. Aber die Ohren konnte ich nicht verschließen, ich hörte sie, ihr leises Geflüster wie sie sich Zärtlichkeiten zuflüsterten, ihre Küsse und...Ich brauchte nichts zu sehen, im Geiste sah ich ihre verschlungenen Körper vor mir. Irgendwann, mir kam es wie eine Ewigkeit vor, wurde es ruhiger, ich hörte wie sie aus dem See stiegen und blinzelte durch die Äste meines Verstecks. Ich sah noch wie Wassertropfen Kithara’s nackten Rücken wie Perlen herunterrannen, bevor sie sich ihren Brustpanzer anlegte. Zärtlich küssten sie sich, und ich vernahm ihre Worte : „Komm Liebster, lass uns im Kaminzimmer noch einen Rotwein trinken....“ Kurz nachdem sie sich engumschlungen entfernten, eilte ich so schnell ich konnte zurück zu meiner Taverne. Hastig trat ich durch den Hintereingang, gerade rechtzeitig als auch Kithara und Arikus zur Vordertür hereinkamen. Ich lies mir nichts anmerken und schenkte den beiden den besten Rotwein den ich hatte.
Ende des Eintrags


Hier schließe ich Torgas Tagebuch, schämte mich das wir beobachtet wurden. Doch weckte es auch wieder Erinnerungen an jenen Abend. Lange habe ich Arikus nicht mehr gesehen, sehnte ich mich doch wieder nach seinen Umarmungen, seiner starken Schulter an die ich mich lehnen konnte, seinen zärtlichen Küssen.
Gerade als ich die Welt wieder verlassen wollte, stand er in der Tür. Als ich in seine Arme fiel, war alle Sehnsucht, alle Warterei vergessen.

(C) Kithara

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