Ein Tag im Leben eines Waldläufers (Reaper)
Mit Dämmerung des Morgens änderte sich auch das Bild des Waldes, man könnte sagen es war Schichtwechsel angesagt. Eulen und Mäuse verkrochen sich mit den ersten Sonnenstrahlen in ihren Verstecken. Ein letztes Mal schallte der Ruf des Käuzchens durch das Geäst dann begannen das Morgenlied der Lerchen. Fröhlich und unbeschwert schallte es über Wiesen und Bäume hinweg und auch ich öffnete meine Augen und krabbelte aus meinem Schlafsack hervor und blinzelte der Sonne entgegen. Klar und fast weiß schien es auf die Bäume herab und brach sich zwischen Blättern und Zweigen, wenn es dann den Boden berührte hatte es eine gelblich, grünliche Farbe angenommen und erwärmte in Windeseile die Luft um mich herum.
Ich sammelte meine Habseeligkeiten ein und löschte die letzten glimmenden Reste des Lagerfeuers und schlenderte dann gemütlich zum nahe gelegenen Bach hinab. Ich entledigte mich meiner Kleidung und sprang beherzt in das kühle klare Wasser. Für einen Augenblick schien mein Herzschlag zu ersterben als sich die kalten Fluten um meinen Leib schlossen doch dann setzte es wieder ein und schlug um so schneller und heftiger. Wohlig prickelte das kalte Wasser auf der Haut dennoch musste ich dem wohltuenden Bade schon bald entsagen, wollte ich doch heute wie so oft den Forst von Arakas begutachten und meinen dort beheimateten Freund Yrian Erdenlied besuchen. Ich kleidete mich also wieder an und befestigte meine Tasche über der Schulter, schnallte meine Axt auf den Rücken und ging leichten Schrittes in Richtung des nächsten Steinkreises.
In Lichthafen angekommen machte ich mich eiligst in Richtung der nördlichen Brücke auf, war mir doch das wilde Treiben und die Aufdringlichkeit so mancher Menschen und Seraphim hier zuwider. An kaum einem Fenster konnte man vorbeigehen ohne darin halbnackte Sklaven zu erspähen die sich selbst vor ihren Herren erniedrigten. Nein diese Welt war tatsächlich nichts für mich, hier konnte ein Mensch keine Freiheit finden. Die engen Mauern grenzten mein Gemüt ein und das stetige Lärmen der Schmiede und die rauchenden Schlote der Alchemistenwerkstätten, das war nicht meine Welt.
So erreichte ich die Brücke nach nur wenigen Minuten und traf eine Gruppe junger Helden die etwas hilflos dastanden und sich der anstürmenden Goblins erwehrten. Von der Stadtwache war wie immer nichts zu sehen, ein Wunder das die Stadt nicht schon seit langem von irgendeiner finsteren Seele dem Erdboden gleichgemacht wurde. Mit einem rauschen fegte ein Seraphim mit strahlend weißen Flügeln an mir vorrüber und durchbrach flinken Schrittes die Reihen der Goblins um kurz darauf am Horizont zu verschwinden. Für einen Augenblick schüttelte ich ungläubig den Kopf und eilte dann zu den bedrängten Helden. Ohne zu Zögern sprang ich in ihre Mitte, einer ihrer Krieger war schwer verletzt, sein Arm blutete stark und mit letzter Kraft schwang er sein Schwert. Ich riss meine Axt hervor und teilte den Leib des Goblins der gerade zum Gnadenstoß ansetzte in zwei Teile. Doch statt Dankes schrie mich der junge Krieger an ich solle mich davon scheren und ihm nicht seinen Ruhm streitig machen. Ich starrte den Kerl mit hochgezogener Augenbraue an und befestigte ich meine Axt wieder auf meinem Rücken und baute mich aufrecht vor ihm auf und erklärte ihm meine durchweg gut gemeinten Absichten, als erneut ein Seraphim an uns vorbei rauschte. Uneinsichtig pöbelte der junge Krieger auf mich ein und schwang bedrohlich mit seinem Schwerte, ich holte aus und meine Hand landete klatschend im Gesicht des ungebührlichen Menschen. Dieser torkelte einen Schritt zurück und lies vor lauter Schreck sein Schwert zu Boden fallen. Ich schüttelte noch einmal meinen Kopf und gab ihm den guten Rat sich in Zukunft zu überlegen ob Ruhm und Reichtum des Todes wert seien, dann wendete ich mich ab und lief eine Weile im Windschatten eines Seraphims den schmalen Pfad nach Sturmkante entlang.
Gegen Mittag erreichte ich dann mein erstes Tagesziel, eine Lichtung etwa nördlich der berüchtigten Goblinkreuzung an der schon so mancher junge Held seinen Tod gefunden hatte. Ich warf ein Bündel beschlagenen Leders auf den Boden und setzte mich unter die alte Linde die mit ihrem kühlen Schatten Schutz vor der glühenden Sonne bot. Eine Weile schloß ich meine Augen und träumte vor mich hin. Hier war die Luft noch Sauber, während man in der Nähe der Städte stets den Geruch von Totem Fleisch und verbranntem Holz riechen konnte. Ich holte eine Apfel aus der Tasche und biss herzhaft hinein. Ja das war noch ein Apfel, saftig und nicht zu süß nicht wie die aus der königlichen Apfelplantage von Silberstreif, aber was soll man auch tun das höfische Volk mag es nunmal verführerisch süß. Ich grinste innerlich und dachte bei mir, dass sie doch alle ihre Zähne verlieren mögen von der ungesunden Nahrung die sie zu sich nahmen. Ich setzte mich auf und band das mitgebrachte Bündel auf und untersuchte den Inhalt drei Paar edle Lederhandschuhe aus Antilopenleder, zwei Paar Lederbeinschienen, einen Brustpanzer aus gehärtetem Goblinleder und sogar ein paar fein gearbeitet Elfenlederstiefel waren die Ausbeute meiner Sammlung. Bedächtig schüttelte ich meinen Kopf darüber und verstaute das Bündel Wurzelwerk der alten Linde, warum sollte ich es jetzt mit herumschleppen, wenn ich später wieder in die Stadt gehe könnte ich es ja mitnehmen, sicher würde mir der Schmied einen guten Preis machen. So machte ich mich wieder auf den Weg nach Norden zum Hain der Druiden. Auf der kleinen Insel am Rande der Ork-Lagers traf ich schließlich eine junge in ein Lederwams gekleidete Frau die sogleich auf mich zukam und mich freundlich begrüßte. Mit einem Lächeln erwiederte ich ihren Gruss und fragte sie nach ihrem Befinden und ob ich ihr nicht helfen könne.
Und tatsächlich erklärte sie mir das sie ihren Begleiter verloren hätte und keine Spur mehr von ihm zu finden seie, als wie aus dem Nichts ein finsterer Seraphim an uns vorbei rauschte. Ich versprach ihr meine Hilfe und zusammen suchten wir die nähere Umgebung ab als aus heiterem Himmel eine Taube vor uns landete und eine Nachricht von ihrem Begleiter brachte. Er war von einer Postkutsche ergriffen worden und zum Glück unverletzt bis nach Sturmkante geschleift worden. Erleichtert atmete die junge Frau auf und zum Abschied steckte ich unauffällig noch einige Heiltränke in ihre Tasche, bevor ich meine Wanderung zum Lager der Druiden fortsetzte.
Der Weg war nicht mehr allzuweit bis zu den Druiden, also schlenderte ich langsam und gemütlich. Bald schon erreichte ich einen kleinen Hain von wilden Sauerkirschbäumen. Die Sonne sandte bereits warmes, gelbes Licht über den Wald und der Himmel war angenehm Rot gefärbt, kleine Wolken zogen ihre Bahn und es roch nach nahendem Regen. Dennoch setzte ich mich an den Wegesrand und legte mich in die Abensonne, umgeben von blühendem Löwenzahn, über mir die Kirschbäume und überall schwirrten kleine Insekten, Bienen, Hummeln umher und gelengtlich brauste ein Seraphim an mir vorbei. Ich schloss meine Augen und versank in einen kurzen leichten Traum. Geweckt wurde ich schließlich vom knarren eines knorrigen Waldwächters dessen Aufemrksamkeit ich erregt hatte. Als er mich erkannte knarrte er zustimmend und ich stand auf und folgte ihm im Schutze der Dämmerung zum Lager der Druiden. Als ich dort ankam drang der Ruf des Käuzchens an mein Ohr und die Stimmen der Singvögel verstummten, es war Schichtwechsel im Forst.
(C) Reaper
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